Die Berufs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur in Groß Königsdorf – anno 1864

Die Berufs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur in Groß Königsdorf – anno 1864

1. Politische Machtwechsel im linken Rheinland

Groß Königsdorf gehörte bis zur Jahreswende 1797/98, als das linke Rheinland nach der Okkupation durch die französischen Revolutionstruppen Anfang Oktober 1794 integrierter Teil der Französischen Republik wurde, zu Kurköln. Hier war der Kölner Erzbischof und Kurfürst Landesherr gewesen. Mit dem Einmarsch der französischen Revolutionstruppen und der Machtübernahme der Verwaltung durch die französische Zentralregierung in Paris fielen die politischen Landesgrenzen im linken Rheinland.
Im Jahre 1797 hatten die revolutionären Machthaber in Paris immer entschiedener die Vereinigung des ganzen linken Rheinlandes mit der Französischen Republik verlangt. Der Rhein sollte endgültig die natürliche Grenze Frankreichs im Osten bilden. Im Frieden von Campo Formio zwischen Österreich und Frankreich am 17. Oktober 1797 fielen beinahe die gesamten linksrheinischen Gebiete mit Ausnahme der kurkölnischen und preußischen Besitzungen an Frankreich. Aber es bestand kein Zweifel, dass das Pariser Direktorium nicht gewillt war, auf diese Gebiete zu verzichten.
Darum ernannte das Direktorium am 4. November 1797 den im Elsass geborenen Joseph Rudler, Richter am Kassationstribunal in Paris, zum Gouvernements-Kommissar aller Länder zwischen Maas, Rhein und Mosel und erteilte ihm den Auftrag, die zur Zeit in Frankreich bestehenden Gesetze und Institutionen – das hieß die französische Verfassung und Verwaltung – in den okkupierten Gebieten und damit auch im linken Rheinland generell einzuführen. Durch den Beschluss vom 23. Januar 1798 wurde das ganze besetzte Gebiet in die 4 Départements eingeteilt. Das Roerdépartement wurde in 4 Arrondissements geteilt (Aachen, Köln, Krefeld und Kleve). Diese wurden in 42 Kantone aufgeteilt. Jedes Arrondissement erhielt eine eigene Zentralverwaltung. Für das Gebiet zwischen Aachen und Köln war das Roerdépartement – es war aufgrund seiner Größe, der Bevölkerungszahl und seiner ökonomischen Bedeutung eines der größten und bedeutendsten Départements im neuen Frankreich – mit dem Hauptsitz in Aachen zuständig. Alle tradierten Einrichtungen wurden augenblicklich aufgelöst. Auf die umfassenden verwaltungstechnischen Neuerungen soll an dieser Stelle nicht näher eingegangen werden. Mit dieser Neustrukturierung des linken Rheinlandes begann gleichwohl der Wiederaufbau der vielerorts zerstörten Infrastruktur. Das Roer-Département war ein schwieriger Verwaltungsbezirk. Es gab eine Fülle von Problemen beim organisatorischen und verwaltungstechnischen Aufbau. Nicht weniger als 5 Präfekten standen von 1798 bis Januar 1814 an der Spitze dieses Départements.
Am 17. Juli 1798 erließ Rudler, der bereits in einer Proklamation am 11. Dezember 1797 die Reorganisation der Verwaltung und Rechtspflege, die Abschaffung der Leibeigenschaft und Feudallasten verkündet hatte, den Befehl, dass die Verwaltungs- und Gerichtsordnung nebst anderen Dokumenten den Pfarrern zugestellt werden sollten. Diese wurden aufgefordert, an jedem Predigttag eine halbe Stunde auf eine deutliche und verständliche Art sich der Lesung der Gesetze zu widmen. Das Vorlesen bzw. Verkünden der neuen Gesetze sollte am 19. Juli 1798 beginnen und in drei Dekaden erledigt sein. Diese Verordnung ging auf das französische Gesetz vom 21.-26. Januar 1791 zurück.
Mit diesen Verordnungen unterdrückte der Regierungskommissar Rudler in den 4 rheinischen Départements den Adel, die Zehnten, alle feudalen Rechte und betrieb die Auflösung des Zunftwesens. Ab März 1798 führte Rudler auf dem Lande und in den Städten seine sozial und wirtschaftlich tief einschneidenden Maßregeln im Einzelnen durch, indem er eine ganze Reihe von einschlägigen Gesetzen aus dem Jahre 1789 veröffentlichen ließ, in denen die Feudalrechte und Zehnten abgeschafft, der erbliche Adel (Gesetz vom 19. Juni 1790) beseitigt und die Bauernbefreiung durchgeführt wurde. Er publizierte auch das Gesetz vom 17. Juni 1791, durch das alle handwerklichen und gewerblichen Zünfte und Körperschaften aufgehoben wurden und die Gewerbefreiheit eingeführt wurde. Damit waren auf der linken Rheinseite die ständischen Unterschiede aufgehoben; es gab keine abhängigen Bauern und vom Handwerk ausgeschlossenen Gesellen mehr, sondern nur ein einheitliches Staatsbürgertum.
Die Aufhebung des Zunftwesens und die Gewerbefreiheit zerstörten allerdings das tradierte Netz der sozialen Sicherung, ohne etwas Neues oder Besseres an seine Stelle zu setzen.
Die Veröffentlichung dieser sehr umfangreichen Gesetze in allen Gemeinden zog sich bis Mai 1799 hin. Von dem Zeitpunkt an galten alle Einwohner der 4 rheinischen Départements als französische citoyens.
Rein formal hatte Rudler damit die juristischen Voraussetzungen für die erste offizielle, allgemeine Volkszählung im linken Rheinland geschaffen, die 1799 flächendeckend durchgeführt wurde.

Im Vertrag von Lunéville, der zwischen der Französischen Republik und Kaiser Franz II. (für Österreich und das Deutsche Reich) am 9. Februar 1801 in der lothringischen Residenzstadt auf der Grundlage des Friedens von Campo Formio geschlossen wurde, fielen Belgien und das linke Rheinland an Frankreich. Kaiser Franz II. hatte das ganze linke Rheinufer an die Französische Republik abgetreten, nachdem die Pläne der Franzosen hinsichtlich der Errichtung eines rheinischen Pufferstaates, der sogenannten cisrhenanischen Republik, sich zerschlagen hatten. Dieser Friedensvertrag beendete vorerst die Revolutionskriege. Die neuen, schon vorher assimilierten Gebiete, wurden per Beschluss der französischen Nationalversammlung am 9. März 1801 (6. Ventôse IX) zum integrierten Bestandteil der Französischen Republik erklärt.

Mit dem Gesetz vom 17. Februar 1800 hatten die französischen Kantone aufgehört, Verwaltungsbezirke zu sein. Die Präfekten der Departements vereinigten mit dem Ziel der Verwaltungsvereinfachung mehrere der kleineren Gemeinden zu Großbürgermeistereien, die jetzt als Mairien (mairies) bezeichnet wurden. Am 30. Juni 1802 wurde diese Neuregelung für das Gebiet des linken Rheinlandes bestätigt. So wurde z. B. der ehemalige Kanton Weiden in sieben Mairien eingeteilt, nämlich: … Frechen (mit Frechen, Buschbell, Bachem, Benzelrath, Haus Forst, Hücheln, Hemmerich, Marsdorf, Stütgen); Lövenich (mit Lövenich, Weiden, Üsdorf, Junkersdorf, Groß Königsdorf und Klein Königsdorf).
Am 1. Februar 1814 wurde nach den Befreiungskriegen und der Niederwerfung Napoleons durch die alliierten Mächte von den alliierten Siegern das Generalgouvernement Niederrhein gebildet, welches das Departement de la Roer, das Departement Ourthe und das Departement Niedermaas umfasste. Es wurde dem Geheimen Staatsrat Sack unterstellt. Gemäß einer Verordnung vom 11. März 1814 wurden, um die Verwaltung wieder in Gang zu bringen, neue Beamte eingesetzt. An die Stelle des entflohenen Präfekten des Roer-Departements wurde in Aachen der Appellationsrath Bölling als Gouvernements-Commissaire eingesetzt. An die Stelle der früheren Unterpräfekten der Arrondissements traten Kreis-Direktoren. Im Bezirk Köln war dies Kreis-Direktor von Märken. Die Kommunal-Verfassung blieb vorerst in der bisherigen Art bestehen. Die Aufsicht oblag dem Kreisdirektor. Alle Urkunden wurden im Namen der verbündeten Mächte ausgefertigt. Die französischen Siegel und Behörden-Bezeichnungen verschwanden. Aus der mairie wurde die Bürgermeisterei, aus dem maire der Bürgermeister, aus dem Conseiller municipal der Schöffe bzw. in den Städten der Stadtrat.
Am 15. Juni 1814 wurde der Bereich des General-Gouvernements mit dem bisherigen General-Gouvernement Mittelrhein (zwischen dem bisherigen General-Gouvernement Niederrhein und dem linken Moselufer gelegene Gebiete, einschließlich Koblenz) vereinigt. Der neue Name lautete General-Gouvernement vom Nieder- und Mittelrhein. Das neue General-Gouvernement wurde ebenfalls von General-Gouverneur Sack verwaltet, während der Infanterie-General von Kleist das militärische Kommando innehatte. Alle Verordnungen dieser Zeit erschienen im Journal des Nieder- und Mittelrheins.
Auf dem Wiener Kongress erhielt Preußen Jülich und Berg und das Rheinland mit Köln und Aachen, auf welche Länder Frankreich beim ersten Pariser Frieden verzichtet hatte. Das Besitznahme-Patent vom 5. April 1815 ist unterzeichnet von Friedrich Wilhelm III. und dem Staatskanzler Fürst von Hardenberg. Die Länder des ehemaligen Departements de la Roer erhielten zunächst den Namen Großherzogtum Niederrhein. Am 30. April 1815 (Neueinteilung Preußens in Zehn Provinzen) wurden aus den neugewonnenen Provinzen im linken Rheinland zwei Königlich Preußische Provinzen gebildet und zwar die Provinz Großherzogtum Niederrhein, mit den Regierungsbezirken Koblenz, Aachen und Trier (Sitz des Oberpräsidenten in Koblenz) und die Provinz der Herzogtümer Kleve, Jülich und Berg (Sitz des Oberpräsidenten in Köln). Diese Provinz war eingeteilt in die Regierungsbezirke Köln, Düsseldorf und Kleve. Der Regierungsbezirk Köln umfasste 11 Landkreise, darunter das Gebiet des heutigen Erftkreises, der sich später u. a. aus Teilen der ehemaligen Kantone Brühl, Bergheim, Dormagen, Lechenich, Kerpen und Weiden zusammensetzte.
Am 22. April 1816 traten die Oberpräsidenten und Regierungspräsidenten ihre Tätigkeit an; am 10. Mai 1816 nahmen die Kreisbehörden ihre Tätigkeit auf. Der erste Kölner Regierungspräsident war Graf zu Solms-Laubach, der in Personalunion Oberpräsident der Herzogtümer Jülich, Kleve und Berg war; als erster Landrat fungierte der „landräthliche Commissarius“ Advokat Gymnich. Er bekleidete als späterer Landrat dieses Amt bis 1836.
1822 wurden die obengenannten beiden Provinzen zur Rheinprovinz vereinigt.
Aus fiskalischen und militärischen Überlegungen wurde 1798 durch die französische Besatzungsmacht bzw. die Zentralregierung in Paris die erste allgemeine Volkszählung im linken Rheinland verordnet und anno 1799 mit Hilfe deutscher amtlicher „Volkszähler“ (82,48 % waren Pächter und größere Landwirte; die neuen politischen Machthaber bedienten sich für ihre Zwecke der alten örtlichen Machthaber)durchgeführt; es folgten die Volkszählungen der Jahre 1801, 1802, 1803, örtlich auch 1804, 1806 und die letzte „französische“ Volkszählung 1812.
Mit den amtlich verordneten Volkszählungen hatte das neue, statistische Zeitalter begonnen. In fast regelmäßigen Abständen führten auch die neuen Herren im Rheinland, die Preußen, Volkszählungen durch.
So fanden auch am 5. Dezember 1864 allgemeine Volkszählungen statt. Die originalen Einwohnerlisten für Groß und Klein Königsdorf liegen im Historischen Archiv der Stadt Köln. Sie werden hiermit erstmalig wissenschaftlich ausgewertet.
2. Allgemeine Darstellung der Einwohnerstruktur

1864 lebten in Groß Königsdorf 516 Personen, 365 Erwachsene = 70,74 % (davon 175 Frauen = 47,95 % und 190 Männer = 52,05 %) und 151 = 29,26 % Kinder unter 12 Jahren, alle mit eigenem Datensatz erfasst. Der Prozentsatz 29,26 für Kinder unter 12 Jahren lag um 0,06 Prozentpunkte unter dem Mittelwert des Jahres 1799. Das Durchschnittsalter der Einwohner ab 12 Jahre betrug 33,93 Jahre, das der Frauen 34,23 und das der Männer 33,66 Jahre. Das Durchschnittsalter der Einwohner von Groß Königsdorf lag um 1,00 Jahr unter dem Mittelwert des Jahres 1799, der 34,93 Jahre betrug. Das Durchschnittsalter der Frauen lag um 0,57 Jahr über dem der Männer. Die drei ältesten Frauen waren 84, 73 und 72 Jahre. Die drei ältesten Männer waren 80, 73 und 71 Jahre. Von den 365 Erwachsenen waren 11 Frauen = 3,01 % und 81 Männer = 22,19 % Familienvorstand; von den 92 Familienvorständen waren 14 (10 Frauen und 4 Männer) = 15,22 % verwitwet. Dies ist ein hoher Wert. Insgesamt waren von den 365 Einwohnern ab 12 Jahre 27 (18 Frauen und 9 Männer) = 7,40 % verwitwet = 5,23 % aller Einwohner von Groß Königsdorf. Der Wert 5,23 lag um 5,76 Prozentpunkte unter dem Mittelwert des Jahres 1799, der 10,99 % betrug. Der Mittelwert für das ganze Gebiet des heutigen Erftkreises betrug 1799 6,75 %.

Die 365 Erwachsenen lebten mit 151 Kindern unter 12 Jahren in 92 Haushalten = 1,64 Kinder pro Familie. Der Mittelwert des Jahres 1799 betrug 1,44 Kinder pro Familie. Der Mittelwert des Erftkreises betrug 1799 nur 1,32 Kinder pro Familie. Groß Königsdorf war offensichtlich zu jeder Zeit ein sehr kinderfreundlicher Wohnort.
Die 5 größten Haushalte waren: 1 … 15, 3 … 11, 7 … 9, 11 … 8, 7 … 7 Personen. Es gab 3 Ein-Personenhaushalte = 3,26 %.
Die 516 Einwohner lebten in 92 Haushalten = 5,61 Personen pro Haushalt.

3. Die Altersgruppen der Einwohner 1864

151 Personen = 29,26 % 0 – 11 Jahre
101 Personen = 19,57 % 12 – 20 Jahre
78 Personen = 15,12 % 21 – 30 Jahre
59 Personen = 11,43 % 31 – 40 Jahre
60 Personen = 11,63 % 41 – 50 Jahre
36 Personen = 6,98 % 51 – 60 Jahre
24 Personen = 4,65 % 61 – 70 Jahre
6 Personen = 1,16 % 71 – 80 Jahre
1 Person = 0,19 % 81 – 90 Jahre
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365 Erwachsene und 151 Kinder unter 12 Jahren

1799 waren 81 Einwohner = 42,41 % unter 20 Jahren und 127 Einwohner = 66,49 % unter 30 Jahren alt.
1864 waren 252 Dorfbewohner = 48,84 % unter 20 Jahren und 330 Einwohner = 63,95 % unter 30 Jahren alt.
1799 waren 27 Dorfbewohner = 14,14 % älter als 50 Jahre und 10 Einwohner = 5,24 % älter als 60 Jahre. Älter als 70 Jahre (76 Jahre) war nur 1 Person = 0,74 %.
1864 waren 67 Einwohner = 12,98 % älter als 50 Jahre und 31 Einwohner = 6,01 % älter als 60 Jahre. Älter als 70 Jahre waren nur 7 Personen = 1,36 %.

4. Die feine Altersgliederung aller Einwohner 1864

Alter weiblich männlich insgesamt
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0-1 Jahr 5 = 2,06 % 5 = 1,83 % 10 = 1,94 %
1 Jahr 4 = 1,65 % 5 = 1,83 % 9 = 2,22 %
2 Jahre 6 = 2,47 % 5 = 1,83 % 11 = 2,13 %
3 Jahre 3 = 1,23 % 11 = 4,03 % 14 = 2,71 %
4 Jahre 3 = 1,23 % 4 = 1,47 % 7 = 1,36 %
5 Jahre 8 = 3,29 % 7 = 2,56 % 15 = 2,91 %
6 Jahre 7 = 2,88 % 3 = 1,10 % 10 = 1,94 %
7 Jahre 6 = 2,47 % 6 = 2,20 % 12 = 2,33 %
8 Jahre 4 = 1,65 % 13 = 4,76 % 17 = 3,29 %
9 Jahre 7 = 2,88 % 13 = 4,76 % 20 = 3,88 %
10 Jahre 8 = 3,29 % 6 = 2,20 % 14 = 2,71 %
11 Jahre 7 = 2,88 % 5 = 1,83 % 12 = 2,33 %
12 Jahre 8 = 3,29 % 6 = 2,20 % 14 = 2,71 %
13 Jahre 7 = 2,88 % 8 = 2,93 % 15 = 2,91 %
14 Jahre 4 = 1,65 % 8 = 2,93 % 12 = 2,33 %
15 Jahre 4 = 1,65 % 10 = 3,66 % 14 = 2,71 %
16 Jahre 4 = 1,65 % 8 = 2,93 % 12 = 2,33 %
17 Jahre 4 = 1,65 % 4 = 1,47 % 8 = 1,55 %
18 Jahre 8 = 3,29 % 6 = 2,20 % 14 = 2,71 %
19 Jahre 3 = 1,23 % 2 = 0,73 % 5 = 0,97 %
20 Jahre 2 = 0,82 % 5 = 1,83 % 7 = 1,36 %
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21 Jahre 9 = 3,70 % 2 = 0,73 % 11 = 2,13 %
22 Jahre 8 = 3,29 % 2 = 0,73 % 10 = 1,94 %
23 Jahre 4 = 1,65 % 5 = 1,83 % 9 = 1,74 %
24 Jahre 4 = 1,65 % 9 = 3,30 % 13 = 2,52 %
25 Jahre 3 = 1,23 % 2 = 0,73 % 5 = 0,97 %
26 Jahre 4 = 1,65 % 8 = 2,93 % 12 = 2,33 %
27 Jahre 1 = 0,41 % 2 = 0,73 % 3 = 0,58 %
28 Jahre 3 = 1,23 % 2 = 0,73 % 5 = 0,97 %
29 Jahre 1 = 0,41 % 4 = 1,47 % 5 = 0,97 %
30 Jahre 2 = 0,82 % 3 = 1,10 % 5 = 0,97 %
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31 Jahre 2 = 0,82 % 2 = 0,73 % 4 = 0,78 %
32 Jahre 4 = 1,65 % 1 = 0,37 % 5 = 0,97 %
33 Jahre 2 = 0,82 % 4 = 1,47 % 6 = 1,16 %
34 Jahre 1 = 0,41 % 3 = 1,10 % 4 = 0,78 %
35 Jahre 1 = 0,41 % 5 = 1,83 % 6 = 1,16 %
36 Jahre 1 = 0,41 % 2 = 0,73 % 3 = 0,58 %
37 Jahre 6 = 2,47 % 4 = 1,47 % 10 = 1,94 %
38 Jahre 7 = 2,88 % 3 = 1,10 % 10 = 1,94 %
39 Jahre 2 = 0,82 % 2 = 0,73 % 4 = 0,78 %
40 Jahre 4 = 1,65 % 3 = 1,10 % 7 = 1,36 %
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41 Jahre 6 2,47 % 2 = 0,73 % 8 = 1,55 %
42 Jahre 5 = 2,06 % 3 = 1,10 % 8 = 1,55 %
43 Jahre 1 = 0,41 % 1 = 0,37 % 2 = 0,39 %
44 Jahre 5 = 2,06 % 5 = 1,83 % 10 = 1,94 %
45 Jahre 3 = 1,23 % 6 = 2,20 % 9 = 1,74 %
46 Jahre 2 = 0,73 % 2 = 0,39 %
47 Jahre 1 = 0,41 % 2 = 0,73 % 3 = 0,58 %
48 Jahre 1 = 0,41 % 3 = 1,10 % 4 = 0,78 %
49 Jahre 6 = 2,47 % 4 = 1,47 % 10 = 1,94 %
50 Jahre 2 = 0,82 % 2 = 0,73 % 4 = 0,78 %
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51 Jahre 3 = 1,23 % 1 = 0,37 % 4 = 0,78 %
52 Jahre 1 = 0,37 % 1 = 0,19 %
53 Jahre 3 = 1,23 % 2 = 0,73 % 5 = 0,97 %
54 Jahre 1 = 0,41 % 3 = 1,10 % 4 = 0,78 %
55 Jahre 2 = 0,82 % 3 = 1,10 % 5 = 0,97 %
56 Jahre 2 = 0,82 % 1 = 0,37 % 3 = 0,58 %
57 Jahre 2 = 0,82 % 3 = 1,10 % 5 = 0,97 %
58 Jahre 2 = 0,73 % 2 = 0,39 %
59 Jahre 2 = 0,73 % 2 = 0,39 %
60 Jahre 3 = 1,23 % 2 = 0,73 % 5 = 0,97 %
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61 Jahre 2 = 0,82 % 2 = 0,39 %
62 Jahre 3 = 1,23 % 1 = 0,37 % 4 = 0,78 %
63 Jahre 2 = 0,82 % 2 = 0,73 % 4 = 0,78 %
64 Jahre 3 = 1,10 % 3 = 0,58 %
65 Jahre 2 = 0,82 % 1 = 0,37 % 3 = 0,58 %
66 Jahre 1 = 0,41 % 2 = 0,73 % 3 = 0,58 %
67 Jahre 1 = 0,37 % 1 = 0,19 %
68 Jahre 1 = 0,37 % 1 = 0,19 %
69 Jahre 2 = 0,82 % 2 = 0,39 %
70 Jahre 1 = 0,37 % 1 = 0,19 %
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71 Jahre 1 = 0,37 % 1 = 0,19 %
72 Jahre 1 = 0,41 % 1 = 0,19 %
73 Jahre 2 = 0,82 % 1 = 0,37 % 3 = 0,58 %
74 Jahre
75 Jahre
80 Jahre 1 = 0,37 % 1 = 0,19 %
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81 Jahre
84 Jahre 1 = 0,41 % 1 = 0,19 %
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243 273 516 Personen

Die älteste Person in Groß Königsdorf anno 1864 war die Witwe Anna Sibilla Niederstein mit 84 Jahren. Sie war eine Tante des Schullehrers und Ackerers Constantin Kleefisch (Jahrgang 1825/39 Jahre, Haus Nr.17).

5. Die Altersgliederung der Jahrgänge 1780-1864 in Dekaden

Frauen- Männer- Überschuss
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0 -11 Jahre 68 83 = 15 Männer
12-20 Jahre 44 57 = 13 Männer
21-30 Jahre 39 39
31-40 Jahre 30 29 = 1 Frau
41-50 Jahre 30 30
51-60 Jahre 16 20 = 4 Männer
61-70 Jahre 12 12
71-80 Jahre 3 3
81-90 Jahre 1 = 1 Frau
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0 -90 Jahre 243 273 = 30 Männer = 5,81 %

6. Zum Selbstverständnis des Gesindes um 1800

Mägde und Knechte waren ursprünglich eine Altersgruppe zwischen 12 und 35 Jahren und keine soziale Schicht. Sie waren Töchter und Söhne von Kleinbauern, Handwerkern und Tagelöhnern. Die typische Gesindetätigkeit war die lebenszyklische („life cycle servant“) Erfahrung der ländlichen Jugend – primär der Unterschicht. Sie hatte den Charakter einer Übergangsphase im Leben und endete bevorzugt mit der Heirat, mit der Übernahme eines landwirtschaftlichen Kleinbesitzes oder dem Bezug eines eigenen bescheidenen Hauses. Neben der primär patrilokalen Haushaltsgründung gab es auch neolokale und uxorilokale Ansiedlungen. Der Ledigstatus verbunden mit der lebenslänglichen Gesindetätigkeit („life long servant“) war in Mitteleuropa untypisch.
Mägde und Knechte heirateten im 18. und bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts sehr spät. Sie verbrachten ihre relativ lange Jugendzeit meistens nicht im Elternhaus, sondern „in der Fremde“. In der Regel wechselten die Mägde und Knechte ihre Arbeitsverhältnisse alle ein bis zwei Jahre; nur sehr wenige, wie eine Untersuchung ausführlich belegt, blieben länger im gleichen Haushalt. Die meisten lebten ohne eine besondere Bindung an den Arbeitgeber, obwohl sie in dessen Haushalt integriert waren, ein langes jugendliches Eigenleben. Das Gesinde erhielt Kost, Logis und andere Formen des Naturallohnes.
Die Mägde und Knechte gehörten aber zur Altersgruppe der dörflichen Jugend. Sie erfuhren die herrschaftlich organisierte Sozialform des Guts- und Bauernhofes und die genossenschaftlich organisierte Sozialform der örtlichen, dörflichen Pfarrjugend.
Das Gesinde konnte über seine Arbeitskraft nicht frei verfügen; neben den außerökonomischen Zwängen zum Arbeitgeber existierten auch politisch-rechtliche Migrationsbeschränkungen auf Grund der Dienstbotenordnungen.

7. Die Berufsstruktur 1864

1 2 3
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26 = 7,12 % = 19,26 % Tagelöhner
21 = 5,75 % = 15,56 % Magd
14 = 3,84 % = 10,37 % Ackerer
12 = 3,29 % = 8,89 % Bahnwärter
10 = 2,74 % = 7,41 % Knecht
5 = 1,37 % = 3,70 % Maurer
4 = 1,10 % = 2,96 % Bäcker (Fam. Augstein und Muhr (Mohr)
4 = 1,10 % = 2,96 % Schneider
4 = 1,10 % = 2,96 % Schreiner
2 = 0,55 % = 1,48 % Ackerin
2 = 0,55 % = 1,48 % Fuhrmann
2 = 0,55 % = 1,48 % Müller (Vater und Sohn Esser)
2 = 0,55 % = 1,48 % Schmied
2 = 0,55 % = 1,48 % Schneider [Geselle]
2 = 0,55 % = 1,48 % Wirt
1 = 0,27 % = 0,74 % Bahnmeister
1 = 0,27 % = 0,74 % Brauer
1 = 0,27 % = 0,74 % Chemiker
1 = 0,27 % = 0,74 % Feldhüter
1 = 0,27 % = 0,74 % Forstgehilfe
1 = 0,27 % = 0,74 % Gutsbesitzer
1 = 0,27 % = 0,74 % Gutsbesitzer und Wirt
1 = 0,27 % = 0,74 % Handelsmann
1 = 0,27 % = 0,74 % Ingenieur
1 = 0,27 % = 0,74 % Kaufmann
1 = 0,27 % = 0,74 % Krämer
1 = 0,27 % = 0,74 % Landschaftsmaler
1 = 0,27 % = 0,74 % Orgeldreher
1 = 0,27 % = 0,74 % Polizeidiener
1 = 0,27 % = 0,74 % Sattler
1 = 0,27 % = 0,74 % Sattler [Geselle]
1 = 0,27 % = 0,74 % Schreiner [Geselle]
1 = 0,27 % = 0,74 % Schullehrer, Ackerer
1 = 0,27 % = 0,74 % Schuster
1 = 0,27 % = 0,74 % Schuster [Lehrling]
1 = 0,27 % = 0,74 % Stationsvorsteher
1 = 0,27 % = 0,74 % Weinhändler
1 = 0,27 % = 0,74 % Wirt und Ackerer
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135 Personen mit Berufsangabe = 36,99 % aller Einwohner ab 12 Jahren
230 Personen ohne Berufsangabe (und 151 Kinder unter 12 Jahren)

8. Die Berufsstruktur 1799

1 2 3
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25 = 18,52 % = 58,14 % Arbeiter
10 = 7,41 % = 22,26 % Landwirt
1 = 0,74 % = 2,33 % Gastwirt (Christian Joseph Preiß)
1 = 0.74 % = 2,33 % Kaufmann, Händler (Johann Joseph Preiß)
1 = 0,74 % = 2,33 % Müller (Reiner Schurf)
1 = 0,74 % = 2,33 % Pächter, Landwirt (Tilmann Höschler)
1 = 0,74 % = 2,33 % Schmied (Jacob Splinter)
1 = 0,74 % = 2,33 % Schneider (Paul Odendahl)
1 = 0,74 % = 2,33 % Schreiner (Joseph Crapold)
1 = 0,74 % = 2,33 % Schuhmacher (Johann Reimer)
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43 = 31,85 % Personen mit Berufsangabe
92 = 68,15 % Personen ohne Berufsangabe

Bemerkenswert ist, dass die absoluten Zahlen der Arbeiter/Tagelöhner und der Ackerer/Landwirte anno 1864 im Vergleich zum Jahre 1799 nahezu konstant geblieben sind, während der prozentuale Anteil der Arbeiter/Tagelöhner von 58,14 % anno 1799 um 38,14 Prozentpunkte auf 25,00 % fiel. Auch der prozentuale Anteil der Ackerer/Landwirte fiel von 1799 = 25,58 % um 8,27 Prozentpunkte auf 17,31 %. Die Anzahl der Handwerker hingegen stieg von 5 auf 28 = um höchst beachtliche 460 Prozentpunkte. Auch der prozentuale Anteil der Handwerker stieg von 11,63 % um 15,29 Prozentpunkte auf 26,92 % kräftig an. Hinzu gekommen war ein völlig neuer Berufszweig im Dienstleistungsbereich: das Bahnpersonal/13 Bahnangestellte = 9,63 % der Personen mit Berufsangabe. In 23 Jahren (von 1841 bis 1864) war die Eisenbahn in Groß Königsdorf zu einem bedeutenden Arbeitgeber geworden.

Weder 1799 noch 1801 wurden in Groß Königsdorf die Knechte und Mägde gezählt bzw. es existieren keine Zähllisten im HStAD. 1802 und 1803 wurde das Gesinde erstmalig namentlich erfasst.

9. Auswertung nach Berufsgruppen ohne Gesinde (Graphik) 1864

28 = 26,92 % Handwerker/Gewerbe
26 = 25,00 % Tagelöhner/Arbeiter
21 = 20,19 % Gemeinde/Staat/öffentlicher Dienst
18 = 17,31 % Ackerer/Landwirte
6 = 5,77 % Kaufleute/Handel/Verkehr
4 = 3,85 % Gastronomie/Genussmittel
1 = 0,96 % Landschaftsmaler
———————————————————
104 = 100 % Personen mit Berufsangabe

10. Die 21 Mägde waren beschäftigt bei

Ackerer 8 Mägde
Bahnmeister 1 Magd
Gutsbesitzer 3 Mägde
Gutsbesitzer/Wirt 3 Mägde
Kaufmann 2 Mägde
Müller 1 Magd
Schullehrer/Ackerer 1 Magd
Stationsvorsteher 1 Magd
Wirt/Ackerer 1 Magd
—————————————–
Summe 21 Mägde

Beachtenswert ist, dass sowohl der Bahnmeister als auch der Bahnhofs-Stationsvorsteher je 1 Magd beschäftigten. Ferner beschäftigte der Lehrer/Ackerer 1 Magd.

11. Die 10 Knechte waren beschäftigt bei

Gutsbesitzer/Wirt 4 Knechte
Gutsbesitzer 3 Knechte
Müller 2 Knechte
Schullehrer/Ackerer 1 Knecht
—————————————————
Knechte 10 Knechte

Außergewöhnlich ist, dass der Lehrer/Ackerer, Constantin Kleefisch, neben der Magd auch 1 Knecht beschäftigte, das bedeutet, dass der Lehrer einige Morgen Land bewirtschaftet haben muss. Eine Erklärung bietet sich an: Der Lehrer war verheiratet mit Agnes Tappert (Jahrgang 1815/49 Jahre); diese war eine Schwester des Ackerers Jacob Tappert (Jahrgang 1811/53 Jahre, Haus Nr.50a).

12. Arbeitgeber der Mägde und Knechte nach Berufsgruppen

67,74 % = 21 Personen Landwirtschaft
12,90 % = 4 Personen Gemeinde/Staat/öffentl. Dienst
9,68 % = 3 Personen Handwerk/Gewerbe/Müller
6,45 % = 2 Personen Handel/Kaufmann
3,23 % = 1 Person Gastronomie/Genussmittel/Wirt
———————————————————————————-
100 % = 31 Personen Gesinde (21 Mägde und 10 Knechte)

1812 waren in Groß Königsdorf 19 Mägde und 13 Knechte = 32 Personen beschäftigt, das bedeutet, dass sich die Zahl der Mägde und Knechte im Zeitraum von 52 Jahren kaum verändert hat. Die Zahl der Arbeitgeber und die Zahl der Mägde und Knechte waren aufgrund der Wirtschaftsstruktur/Infrastruktur konstante Größen.

1864 waren in Groß Königsdorf noch ca. 68 % des Gesindes in der Landwirtschaft beschäftigt, das bedeutet, dass noch in der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts die Landwirtschaft ein sehr manuell arbeitsintensiver Bereich war. Der große Strukturwandel, die industrielle Revolution, die totale Technisierung der Landwirtschaft, vollzog sich erst ab 1950.

13. Auswertung nach Berufsgruppen (Graphik) 1799

25 = 58,14 % Arbeiter/Tagelöhner
11 = 25,58 % Landwirte/Landwirtschaft
5 = 11,63 % Handwerker/Gewerbe
1 = 2,33 % Gastwirt/Genussmittel
1 = 2,33 % Kaufmann/Handel
——————————————————-
43 = 100 % Personen mit Berufsangabe

Bemerkenswert ist, dass es bereits 1799 in dem relativ kleinen Ort mit nur 191 Einwohnern einen Gastwirt, einen Kaufmann und einen Schmied gab. Eine Erklärung bietet sich an: die heutige B 55 war auch schon vor gut 200 Jahren eine stark befahrene Verbindungsstraße Köln – Jülich – Aachen, so dass die Serviceleistungen eines Gastwirtes, eines Schmiedes (1999 4 Tankstellen) und eines Kaufmannes gern in Anspruch genommen wurden. Groß Königsdorf hatte bereits um 1800 eine recht gute Infrastruktur.

Ein Vergleich der Berufsangaben von 1799 mit 1864 macht einen beachtenswerten Strukturwandel deutlich:
1. Mit 26,92 % belegten die Handwerker (1799 mit 11,63 % auf Platz 3) den ersten Platz.
2. Mit 20,19 % nahm der Bereich Gemeinde/Staat/öffentl. Dienst den zweiten Platz ein.
3. Mit 17,31 % waren die Ackerer/Landwirte vom ersten Platz (Tagelöhner/Arbeiter ausgeklammert) mit 25,58 % anno 1799 auf den dritten Platz zurückgefallen.
4. Auch der Bereich Kaufleute/Handel/Verkehr war von 2,33 % anno 1799 auf 5,77 Prozentpunkte sehr beachtlich gestiegen.
5. Ferner stieg der Sektor Gastronomie/Genussmittel von 2,33 % auf 3,85 Prozentpunkte.

In 65 Jahren hatte sich in Groß Königsdorf ein deutlicher Strukturwandel von der 1799 noch dominierenden Landwirtschaft zum Wohnort mit modernen Dienstleistungsbereichen vollzogen. Ein Trend, der bis heute fortdauert.

14. Die Königsdorfer Mühle

Die Königsdorfer Mühle wird das erste Mal in der Chronik des Lewald von Horthof für das Jahr 1391 erwähnt. In der gleichen Quelle findet sich der Hinweis, dass der Abt Johann von Weda 1512 eine Mühle am Wege „gegen Königsdorf“ errichten ließ. Bei der unsicheren Quellenlage werden beide Angaben mit Vorsicht wiedergegeben. Der erste verlässliche Quellennachweis stammt aus dem Jahre 1539, als der Erzbischof Hermann von Wied (1477-1552) dem Benediktinerinnenkloster in Königsdorf zur Aufbesserung ihrer Einkünfte den Bau einer Windmühle zwischen Groß Königsdorf und Buschbell gestattete.
In einem Gerichtsprotokoll vom 24. Oktober 1793 steht, dass Mathias Schurf, Müller in Königsdorf, im gleichen Jahr einer der beiden neuernannten Schöffen des Gerichtes in Königsdorf wurde. 1799 ist Mathias Schurf bereits tot.
1799 lebten in der Königsdorfer Mühle der Müller Reiner Schurf (22 Jahre), seine verwitwete Mutter Sophia Schurf (52 Jahre, Familienvorstand), die erwachsenen Schwestern Margaretha (20 Jahre) und Catharina (16 Jahre) sowie der Bruder Adam (18 Jahre). Alle waren Einheimische.
Die Königsdorfer Mühle war 1799 ein 5-Personenhaushalt (ohne Gesinde). 1864 war sie ein 8-Personenhaushalt (davon 1 Magd und 2 Knechte).

15. Personalien

Laut den Volkszähllisten der Franzosenzeit im linken Rheinland von 1794 bis 1814 waren alle Einwohner in Groß Königsdorf Katholiken.
1864 lebte im Haus Nr.29 eine Judenfamilie: der Handelsmann Moses Heymann (Jahrgang 1819/45 Jahre), seine Ehefrau Gudula Hirsch (Jahrgang 1827/37 Jahre), die Kinder Hermann Heymann (Jahrgang 1855/9 Jahre), Carolina (Jahrgang 1856/8 Jahre), Sibilla (Jahrgang 1859/5 Jahre) und Rosetta (Jahrgang 1864/unter 1 Jahr). Wann die Familie nach Groß Königsdorf zugezogen ist, geht aus der Einwohnerliste vom 1864 nicht hervor.
Im Ort lebte 1864 im Haus Nr.38 die Kaufmannsfamilie Wilhelm Constantin Brunner (Jahrgang 1829/35 Jahre). Es war ein 11-Personenhaushalt. In seinem Haus wohnten neben seiner Ehefrau und den 3 minderjährigen Kindern Maria, Wilhelm und Joseph Hubert noch 2 Mägde sowie der Chemiker Franz Lang (Jahrgang 1834/30 Jahre), der Landschaftsmaler Johann Hermann Christian Aubel (Jahrgang 1834/30 Jahre) und der Ingenieur Carl Aubel (Jahrgang 1829/35 Jahre). Die Herren Franz Lang und die Brüder Carl und Johann Aubel waren laut der offiziellen preußischen Einwohnerliste von 1864 „Evangelische“.

16. Familiäre Nachbarschaft

In den Volkszähllisten von 1799 bis 1864 fällt auf, dass in Groß Königsdorf, Frechen, Kerpen, Sinnersdorf, Stommeln und anderen Ortschaften Arbeitergeschwister und Arbeiterkinder direkt in Nachbarhäusern wohnten. Diese familiäre Nachbarschaft lässt sich damit erklären, dass die Familie ein relativ großes Grundstück hatte, auf dem neben dem bestehenden, kleinen Haus für einen Sohn oder eine Tochter mit Mann ein weiteres Häuschen – selbstverständlich in Eigenleistung und mit Nachbarschaftshilfe – erbaut wurde. So konnten verheiratete Kinder einen eigenen Hausstand gründen, obwohl das Geld für den Erwerb eines weiteren Grundstückes nicht vorhanden war bzw. auch kaum jemand bereit war, Grund und Boden zu veräußern.
Vor allem in der Unterschicht der Kleinbauern und Tagelöhner gab es ein unmittelbares räumliches Nebeneinander. Bis heute sind noch manche Straßenbilder in dieser Region davon geprägt.

17. Die Bevölkerungsentwicklung von 1799 bis 1843

In der Zeit von 1799 bis 1843 war die Einwohnerzahl in Groß Königsdorf von 191 auf 460 gestiegen = 140,84 %. Die Anzahl der Haushalte stieg im gleichen Zeitraum von 39 auf 76 = 94,87 %. In der Zeit von 1799 bis 1864 war die Einwohnerzahl in Groß Königsdorf von 191 auf 516 gestiegen = 170,16 %. Die Anzahl der Haushalte stieg im gleichen Zeitraum von 39 auf 92 = 135,90 %. 1799 lebten die 191 Einwohner in 39 Haushalten = 4,90 pro Haushalt (ohne Gesinde). 1843 wohnten die 460 Einwohner in 76 Haushalten = 6,05 Personen pro Haushalt = 1,15 Personen mehr pro Haushalt als 1799. 1864 wohnten die 516 Einwohner in 92 Haushalten = 5,61 Personen pro Haushalt = 0,71 Personen mehr pro Haushalt als 1799, aber um 0,44 Personen weniger als 1843. Die Anzahl der Haushalte war von 76 im Jahre 1843 um 16 = 21,05 % auf 92 Haushalte gestiegen, d. h. in 21 Jahren waren in Groß Königsdorf 16 Häuser gebaut worden bzw. der Ort war um 16 Familien gewachsen.

18. Tabellarische Übersicht der Bevölkerungsentwicklung in Groß Königsdorf von 1799-2003
1799 = 191 Einwohner in 39 Haushalten = 4,90 pro Haushalt
1801 = 184 Einwohner
1802 = 223 Einwohner
1803 = 231 Einwohner
1806 = 234 Einwohner
1812 = 239 Einwohner
1816 = 233 Einwohner
1843 = 460 Einwohner in 76 Haushalten = 6,05 pro Haushalt
1855 = 518 Einwohner
1864 = 516 Einwohner in 92 Haushalten = 5,61 pro Haushalt
1895 = 654 Einwohner
1950 = 1.635 Einwohner
1961 = 2.028 Einwohner
1964 = 2.329 Einwohner
1975 = 5.629 Einwohner
1980 = 7.457 Einwohner
1990 = 8.989 Einwohner
1995 = 9.190 Einwohner
1996 = 9.399 Einwohner
1997 = 9.415 Einwohner
1998 = 9.411 Einwohner
1999 = 9.410 Einwohner
2000 = 9.493 Einwohner
2001 = 9.503 Einwohner
2002 = 9.502 Einwohner
2003 = 9.521 Einwohner

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Veröffentlicht on 3. Oktober 2017 at 17:42  Kommentare deaktiviert für Die Berufs-, Wirtschafts- und Sozialstruktur in Groß Königsdorf – anno 1864  
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